Ich steh‘ im Stau – ich kann nicht pünktlich sein

Dienstag, 15. April 2014

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Diese SMS an einen Terminpartner kennen wir alle. Dabei bemüht sich die Integrierte Verkehrsleitzentrale IVLZ in Bad Cannstatt nach Kräften, den Verkehr in Stuttgart flüssig zu halten, ihn bestmöglich zu verteilen und gleichzeitig die Umweltbelastung gering zu halten. Läuft alles normal, haben vier bis fünf Mitarbeiter die bundesweit einzigartige Struktur mit Beteiligung des Amts für Öffentliche Ordnung, Tiefbauamt, Polizeipräsidium, SSB und EnBW fest im Griff. Leider ist in manchen Stadtbereichen die Leitzentrale immer noch „blind“.

Die besondere und schwierige Geografie in Stuttgart verschärft die Verkehrssituation. 500 km Hauptverkehrsstraßen, rund 800.000 Fahrzeuge täglich innerhalb der Gemarkungsgrenze, 600.000 Fahrgäste der SSB und 380.000 Nutzer der S-Bahnen werden mit Hilfe von über 300 Messstellen, digitalen Verkehrsschildern und 400 Kameras beobachtet und in die Steuerung der Verkehrsflüsse integriert.

Herr Ralf Thomas, Leiter der IVLZ, erläuterte anhand von zahlreichen Beispielen aus der täglichen Praxis die komplizierten Zusammenhänge und Anforderungen an eine moderne Verkehrsleitung. Die teilweise entgegengesetzten Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer, vom Autofahrer über öffentliche Verkehre bis hin zum Fußgänger, sind dabei zu berücksichtigen.
Die anwesenden MITler stellten übereinstimmend fest, dass es leider offensichtlich ist, dass der politische grüne Wille über dem Prinzip einer optimalen Verkehrsregelung steht. Durch immer mehr Geschwindigkeitsbeschränkungen bilden sich immer mehr Staus, auch in der Hoffnung, aber mit wenig Erfolg, die Feinstaubbelastung zu begrenzen. Massenweise neue, teilweise sinnlose Radwege und Straßensperrrungen tun alles dafür, um das Autofahren zu erschweren und die Verkehrsteilnehmer auf öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad oder ähnliches zu lenken und dies alles auf Kosten einer zügigen Mobilität, die ein gut funktionierendes Verkehrswesen innerhalb einer Großstadt ausmacht. Dies muss der Öffentlichkeit bewusst werden, damit sie weiß, was die Wahl bestimmter Parteien bewirken kann und wie kontraproduktiv politisch populäre Entscheidungen im Hinblick einer modernen Verkehrsführung in einer Landeshauptstadt sein können.

Nach dem informativen und unterhaltsamen Vortrag hatten die Besucher die Gelegenheit, den Leitstand der IVLZ zu besichtigen.

Im Anschluss an den Besuch der IVLZ begaben sich alle Teilnehmer in den Cannstatter Kursaal zum monatlichen „After-Business-Talk“. Der Vorsitzende des Verbandes Region Stuttgart, Thomas Bopp, präsentierte thematisch passende Überlegungen zu den Anforderungen und Problematiken der Verkehrsplanung in der Region. Auch er beleuchtete dabei die schwierige geografische Lage Stuttgarts und die damit verbundenen Beschränkungen. Fehlende Umgehungsstraßen erschweren seit jeher eine Steuerung der Verkehre. Bei Entscheidungen über die Ausweisung von Wohn- oder Industrieansiedelungen muss verstärkt die verkehrstechnische Anbindung berücksichtigt werden.
Ein rundum gelungener und erhellender Informationsabend fand danach in gewohnt geselliger Runde einen schönen Abschluss.

Ute Dick, www.mit-stuttgart.de