Mannheim, "Gast referiert über Wirtschaftskrise"
Montag, 29. Dezember 2008
Nichts hat er verloren von seiner gefürchteten Offenheit und messerscharfen Analyse, seit er seine politische Talksendung in der ARD vor fünf Jahren abgeben mußte.Es gilt immer noch die Losung:" Vorsicht Friedman", auch im vollbesetztenCDU Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung: Gast referiert über Wirtschaftskrise
Friedman : "Ein bisschen weniger Gier täte uns allen gut"
Der Rechtsanwalt und Fernseh- Moderator sprach auf der MIT Jahresabschlußfeier
Nichts hat er verloren von seiner gefürchteten Offenheit und messerscharfen Analyse, seit er seine politische Talksendung in der ARD vor fünf Jahren abgeben mußte.Es gilt immer noch die Losung: "Vorsicht Friedman", auch im vollbesetzten historischen Braukeller der Eichbaum Brauereien AG beim traditionellen Jahresabschluss der MIT Mannheim nahm Dr. Michel Friedman kein Blatt vor den Mund. "Sie applaudieren, ich nicke ihnen zu und es war ein schöner Abend". So etwas geht bei Friedman nicht. Nachdem der Kreisvorsitzende der Mittelstandsvereinigung, Bernd Kupfer die Besucher begrüßt hat, schreitet Friedman zum Mikrofon. Er kommt sofort zur Sache - die Finanz- und Wirtschaftskrise. Als ob man es nicht oft genug gehört hätte in den letzten Wochen, die obzönen Forderungen nach Milliarden, verbunden mit de Drohung" anderfalls kracht halt alles zusammen", oder diese Durchhalteparolen von wegen" jede Krise hat einmal ein Ende". Doch Michel Friedman bietet nicht den üblichen rhetorischen Abwasch, redet auch niemanden nach dem Mund, sondern geht gleich auf alles los.
"Wir sind alle Schuld", stellt er fest. Aber natürlich weiß der Rechtsanwalt und Lebemann, was sich gehört. "Anwesende sind freilich wie immer ausgenommen".
Da braucht man gar nicht mit dem Finger nach Amerika zu deuten. Jeder hat sich an der Hatz um das schnelle Geld beteiligt. Weil das dicke Bankkkonto ja bekanntlich etwas aussagt über den Wert des Menschen, über seine Qualität und seine Bedeutung. "Nicht wahr?" fragt der ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland und blickt auffordernd ins Publikum. Aber keiner wiederspricht, alle sind einverstanden. Jeder weiß es im Grunde, aber keiner hätte es in dieser Deutlichkeit gesagt." Ich selbst nehme mich da gar nicht aus", sagt er.
"Wir alle haben dieses Denken, das in Unternehmen Eingang gefunden hat, angenommen, hingenommen- und gleichzeitig mitgenommen, was ging", so Friedman. "Jetzt zahlen wir alle die Zeche dafür, dass Banker uns Produkte verkauft haben, die sie nicht verstanden haben und die wir selbst schon gar nicht verstanden haben. Unsere heile welt hat Risse bekommen. Das erleben junge Leute jetzt zum ersten Mal. "Und das ist gut so", meint er. Man müsse nicht immer alles mitnehmen, was geht. Ein wohlhabender Bürger kann auch einmal etwas freiwillig zurückgeben. Nicht dem Staat. Aber vielleicht dem Theater oder dem städtischen Schwimmbad. Bei "Staatsknete für Großunternehmen" ist er skeptisch. Es sollte lieber Geld in die Tasche der Menschen fließen. Aber nicht mit Geldgutscheinen. Auch die Mehrwertsteuer soll es nicht sein. Nein, dabei denkt Friedmann an die Abschaffung des "Soli", der jeden, der arbeitet immerhin drei Prozent kostet.

