Pressemitteilung:

MIT Tuttlingen, Pressemitteilung E-Mobilität

Mittwoch, 4. August 2010

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Mittelstandsvereinigung Kreis Tuttlingen
E-Mobilität

Fritz Huber konnte in Vertretung von MIT-Kreisvorsitzendem Jürgen Kaiser mehr als 150 Gäste zu der Veranstaltung der MIT Kreisverband Tuttlingen im Ausstellungsraum des Autohaus Mercedes Riess in Tuttlingen begrüßen. Er bedankte sich bei den Inhabern der Firma Riess für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und für die Bewirtung der Gäste. Als Referenten konnte er Herrn Peter Froeschle, Leiter des Bereiches Strategische Energieprojekte und Marktenwicklung Brennstoffzellen- und Batterieelektrischer Fahrzeuge der Daimler AG begrüßen. Mit dabei war der Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Deutschen Bundestag Volker Kauder und Vertreter der Presse. Gleich auf das Thema kommend lautete seine Frage, auf ein Ausstellungsfahrzeug zeigend, was sich in 10 Jahren wohl unter der Motorhaube befinde.
Herr Froeschle ging in seinem Vortrag sowohl auf die historische Entwicklung, den aktuellen Stand und auf die zukünftigen Weichenstellungen ein. Grund für ein Umlenken seien begrenzte Ressourcen, eine steigende Mobilität aber auch Regularien hinsichtlich CO2-Ausstoß, Verbrauch und Sicherheit. Aber auch die Sicherheit von Volkswirtschaften. Denn wer Geld unnötig für Energie ausgebe, dem fehle dies an wichtigerer Stelle. Daimler habe keine road-map, sondern ein Portfolio. Elektrifizierung sei nichts neues, schon zu Beginn der Automobile habe es Anstrengungen gegeben, aber der Verbrennungsmotor war trotz aller Nachteile die bessere Lösung. Die neuere Entwicklung startete mit dem Start-Stop-Betrieben, mit dem Hybrid als Zwischenstufe hin zur Brennstoffzelle und dem reinen Elektroantrieb. Allerdings dürfe man die Mobilitätsszenarien nicht außer Acht lassen, wie zum Beispiel die Langstrecken, Überland- und Stadtverkehr. Außerdem seien Zulieferer nach wie vor wichtig und Daimler setze hier auf die funktionierenden Strukturen. Des Weiteren sei eine Umstellung des Stromnetzes auf Nord-Süd-Richtung wichtig. Der Strom aus Windenergie komme aus dem Norden. Denn sinnig sei das Konzept nur, wenn die Energie auch aus erneuerbaren Energien komme. So sei Wasserstoff auf verschiedene Arten herstellbar. Hier sei auch die Politik gefordert. Daimler forsche seit über 20 Jahren an der Brennstoffzelle. Und wichtig sei hier vor allem die Infrastruktur und wer in diese investiere sei der Verlierer. Derzeit gebe es nur 5 öffentliche H2-Tankstellen. Deshalb sei hier eine Parallelentwicklung zur Fahrzeugtechnologie notwendig. Bei den Batterien sei man im Jahre 2015 gerade mal bei einer Reichweite von 180 km, wobei durch notwendige Heizung im Winter diese um 30% sinken werde. Außerdem sei man mit der Technologie auf Basis der Li-Ionen-Batterie am Ende. Die Zulieferer werden hier bei Kühlern und Kompressoren zum Zuge kommen. Batterien würden dort am wirtschaftlichsten hergestellt, wo die Rohstoffe vorlägen. Man mache sich im Rohstoffbereich vor allem bei Kobalt sorgen, da hier die Ressourcen begrenzt seien. Problematisch sei auch der hohe Preis der Batetrien. Diese lägen bei 500$ pro kW, was sich bei einem Smart mit 8.000 € auswirke. Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Ladeinfrastruktur. Hier spiele die Sicherheit eine wichtige Rolle, da die Fahrzeuge zuhause geladen würden. Man schätzt, dass auf 600.000 Autos 460.000 Ladestationen kommen. Abschließend gab Herr Froeschle einen Abriss über den Stand der Technik anhand der Fahrleistungen. So läge man selbst bei Hybriden noch hinter den derzeitigen Reichweiten gegenüber Verbrennungsmotoren zurück.
Im Anschluss an den Vortrag gab Herr Froeschle kompetent Antworten auf die unzähligen Zuhörerfragen. Diese reichten von der Rolle der Politik, über die Wichtigkeit von Öl in anderen Bereichen wie der Pharmaindustrie, über den Vergleich mit anderen Ländern hinsichtlich des Entwicklungsstandes, anderer möglicher Produkte von DB, wie dem E-Roller, Fragen zu Nutzfahrzeugen, der Reichweite des Öls, Feldversuche und der globalen Energiebilanz und belegten auch deutlich, dass das Thema nach wie vor Anlass zu Kontroversen bietet. Interessant sei aber auch, dass die Effizienz von Verbrennungsmotoren deutlich verbessert worden sei. Es würde noch lange ein Mix der Antriebskonzepte geben.
Volker Kauder ging in diesem Zusammenhang auf die politische Situation ein. Schnell wurde deutlich, dass dies in allererster Linie ein globales Thema sei und, dass in Europa eine zusammenhängende Infrastruktur notwendig sei. Außerdem sei noch nicht sicher, welche Antriebsform das Rennen machen würde. Diejenigen, die das Rennen machen würden seien der Standard und den setze nicht der erste, sondern der mit dem besten Konzept. Und da müsse man sich vor Augen führen, dass China den innerstädtischen Verkehr ins Auge gefasst habe und die Brennstoffzelle bevorzuge, während Überlandverkehr durch die Schiene abgedeckt sei. Außerdem sei in China sehr vieles staatlich gelenkt, so auch in diesem Bereich, was ein deutlicher Vorteil sei. Andere Länder wie Japan bevorzugen dagegen die Batterietechnologie, wogegen China 80% der Rohstoffe für Batterien besitze. Deutschland denke deshalb an einen Fonds um hier auch unterstützend einzugreifen. Die Entscheidung in eine dieser Richtung sei Weichen stellend und hat natürlich direkten Einfluss auf die Infrastruktur in Europa. Beide Systeme abzubilden werde an den hohen Kosten scheitern. Man führe deshalb intensive Gespräche mit China. Außerdem schätze er, dass es zwei Dekaden dauere bis sich die neue Technologie durchsetze. Bedauerlich sei auch, dass in Deutschland kaum noch Studiengänge in E-Chemie abgehalten würden, während China keinen Ingenieurmangel habe. Außerdem setzt die Bevölkerung in Deutschland auf Allzweckautos. Entscheidend sei aber die schnelle Entscheidung in Brennstoffzellen oder Batterien, damit der Aufbau der Infrastruktur vorangetrieben werden könne.
Fritz Huber dankte allen und überreichte Herrn Froeschle ein Präsent in Form einer vergoldeten Pinzette und einer Schere. Letztere, dass es ihm leicht falle, alte Zöpfe abzuschneiden.

Bild:
links der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU Fraktion im Bundestag Volker Kauder, zweiter von rechts Herr Peter Fröschle von der Daimler AG beim anschließenden Stehempfang.






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